IT und die abwesenden Frauen: Was wir von Ada Lovelace lernen können

In Digitalisierung und Industrie 4.0 sind weibliche Experten kaum sichtbar. In Talk-Shows, Fernseh-Dokumentationen, auf wichtigen Wirtschaftspodien oder in den Entwicklungsabteilungen großer Unternehmen – fast überall gilt: oben ohne! Der Eindruck entsteht, die Zukunft werde ohne Frauen gemacht. Warum ist das so?

Wir müssen dazu einige Jahrzehnte in die Vergangenheit reisen. Ada Lovelace (1815-1852) war Mathematikerin und Gründerin der Computerwissenschaften. Als erste Programmiererin der Welt schuf sie einen Berufszweig, in dem Frauen heute unterrepräsentiert sind.

Geburt und Kindheit von Ada Lovelace fielen in den Beginn der industriellen Revolution. Sie erlebte mit, wie sich die Arbeit veränderte, in Fabriken verlagert und industrialisiert wurde. Weil ihre Mutter nicht wollte, dass Ada in die schriftstellerischen Fußstapfen ihres Vaters trat, sorgte sie früh dafür, dass ihre Tochter fast ausschließlich in Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtet wurde.

Ihre Beiträge zu Rechnerarchitektur und Grundlagen der Programmierung bis hin zu ersten Ideen künstlicher Intelligenzen zeigten, dass Lovelace den Computer schon damals als ein universelles Hilfsmittel ansah, der alles tun kann, was einem logischen Algorithmus entspringt. Ada Lovelace starb 1852 mit nur 36 Jahren an Krebs.

Längst kein Einzelfall

Doch noch im zweiten Weltkrieg waren Frauen maßgeblich an wichtigen Erfindungen beteiligt, die den Grundstein für unsere heutige Tech-Industrie legten. Der Umbau dieser Sozialdemografie erfolgte in den 80er Jahren, als sich die Tech-Industrie – ausgehend vom Silicon Valley – mit ihrem flächendeckenden Erfolg ökonomisch stark veränderte.

165 Jahre später, im Jahr 2017, sind gerade einmal 7,2 % Frauen im Top-Management in Industrie 4.0 beschäftigt. Und auch im Silicon Valley sind Frauen seit Jahren unterrepräsentiert. Haben Frauen damit überhaupt eine Chance, sich aktiv in den Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 zu Wort zu melden?

Wenn wir uns ein Beispiel an Ada Lovelace nehmen, kann die Frage nur mit „Ja“ beantwortet werden. Lovelace trotzte im 19. Jahrhundert jeder gesellschaftlichen Konvention und bahnte sie sich ihren Weg in einer Männerdomäne. Was können wir von ihr lernen?

3 Grundsätze, die Frauen in der IT beachten sollten

  1. Glaube an Dich selbst: Als einzige Frau in einer Welt der Männer fehlten Ada Lovelace nicht nur weibliche Vorbilder. Sie selbst „unterschied sich von der Menschheit überhaupt“, schrieb ihr damals ein Freund. Sie konnte daher nur auf sich selbst vertrauen und an sich selbst glauben.
  1. Sei visionär: Adas visionäre Vorstellungskraft, ihre Technik-Affinität und ihr weitreichendes Verständnis dessen, wozu Technik in der Lage sein kann, begründeten die digitale Revolution, deren Auswirkungen wir heute so massiv spüren. Ada Lovelace brannte für das, was sie tat.
  1. Nutze die Zeit: Ada Lovelace lebte in einer Zeit radikaler Veränderungen. Anstatt sich davon einschüchtern zu lassen, nutzte sie die Zeit der Veränderung, in der alles Althergebrachte auf den Kopf gestellt wurde, um Konventionen zu durchbrechen, eigene Wege zu gehen und eigene Visionen von einer neuen Zukunft zu entwickeln.

Unsere Gegenwart weist faszinierende Parallelen auf zu der Zeit, in der Ada Lovelace lebte. Auch heute sorgt die digitale (R)Evolution für eine radikale Veränderung der Arbeitswelt. Auch heute sind Frauen in den entscheidenden Zukunftsbranchen nach wie vor unterrepräsentiert. Dabei ist die digitale Zukunft auch heute weiblich. Fehlen Stimmen, Meinungen und Erfahrungen der Frauen, wird der Transformationsprozess ungünstig einseitig. Das Motto der Zukunft lautet darum: Gesicht zeigen und Mitmachen!

Über die Autorin

Melanie Vogel

Melanie Vogel ist seit fast 20 Jahren erfolgreiche Unternehmerin und bloggt regelmäßig über persönliche und unternehmerische Zukunftsfähigkeit. Ihr Buch „Futability®“ (ISBN: 978-3-946302-00-1) wurde im Oktober 2016 mit dem NiBB-Innovationspreis ausgezeichnet. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ erschien am 14. Februar 2017 (ISBN 978-3-946302-10-0). Außerdem veranstaltet sie seit sieben Jahren auch die women&work, Europas größten Messe-Kongress für Frauen, der am 17. Juni 2017 wieder in Bonn stattfindet. Weitere Infos unter www.womenandwork.de

Titelfoto: © iStock/Cecilie_Arcurs
Illustration: Ada Initiative (gemeinfrei)
Porträt:  © Melanie Vogel

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