Autonome Agenten: Selbst ist die Software

Apple Siri, Google Now, Microsoft Cortana: Wer im Smartphone-Business Rang und Namen hat, entwickelt einen eigenen Sprachassistenten. Noch scheint deren Nutzen begrenzt. Doch autonome Softwaresysteme werden immer intelligenter und dringen in neue Bereiche unseres Alltags ein.

Im ersten Beitrag der IT-Trends haben wir beleuchtet, wie das kognitive System IBM Watson der Wirtschaft und vielen weiteren Lebensbereichen neue Türen öffnet. Die gesellschaftlich bedeutendere Revolution könnte aber im Kleinen passieren. Denn die sogenannten autonomen Agenten dürften schon bald überall sein. Intelligente Assistenzprogramme sollen Routineabläufe automatisieren und den Menschen eigenständig im Alltag unterstützen – indem sie von ihrem Anwender und ihrer Umgebung lernen.

Intelligenz ist Ansichtssache

Das kann nach hinten losgehen, wie ein aktuelles Beispiel zeigt. Der Chatbot Tay von Microsoft sollte über Twitter von jungen Leuten lernen und sein Wissen wiederum mit anderen teilen. Doch was Tay lernte, hatten die Entwickler offensichtlich nicht vorhergesehen. Nach weniger als 24 Stunden schaltete Microsoft den Bot wieder ab – denn er beleidigte Nutzer mit rassistischen und homophoben Äußerungen. Ein medienwirksamer Fall, der von den großen Fortschritten bei der Entwicklung intelligenter Software ablenkt. Tatsächlich sagen Experten voraus, dass lernende Plattformen schon bald die klassischen Apps ablösen werden.

Die bekanntesten autonomen Agenten sind Sprachassistenten wie Siri oder Cortana. (Bildquelle: Fotolia)

Beispiel Facebook Messenger: Die Nachrichten-App des Social-Network-Riesen wird derzeit massiv ausgebaut und um den digitalen Assistenten M erweitert. Die inzwischen mehr als 800 Millionen Nutzer sollen demnächst von einer zentralen Stelle aus beispielsweise ein Taxi bestellen und einen Tisch im Lieblingsrestaurant reservieren können oder sich Urlaubsziele vorschlagen und gleich die passende Reise buchen lassen. In die Auswahl bezieht das System persönliche Vorlieben ein, ermittelt etwa aus früheren Onlinesuchanfragen oder Konversationen mit M selbst.

Die Bots kommen

Das Analystenhaus Gartner sieht zwar in mobilen Endgeräten wie Smartphones und Smartwatches die größten Verbreitungschancen für autonome Systeme. Darauf beschränkt sind sie allerdings nicht. Amazons Echo ist ein Bluetooth-Lautsprecher für die Beschallung der eigenen vier Wände, der wie Siri und Co. auf Sprachbefehle reagiert.

Künftig ließen sich so auf Kommando alle Smart-Home-Geräte steuern. Auch im Straßenverkehr finden sich mittlerweile autonome Agenten, beispielsweise in den Autos des Elektromobilität-Vorreiters Tesla Motors. Aus Sensordaten berechnet die Software in Echtzeit ein Bild der Fahrzeugumgebung, wechselt auf dieser Basis eigenständig Spuren, beschleunigt und bremst. Ein Autopilot, mit dem sich der Wagen auch auf Knopfdruck vorfahren lässt. James Bond lässt grüßen.

Sich selbst steuernde Fahrzeuge sind auch eine Form autonomer Agenten. (Bildquelle: IM_photo/Shutterstock)

Die autonomen Agenten gehören sicherlich zu den derzeit vielversprechendsten Entwicklungen des Internet of Things. Damit die vollvernetzte Welt real werden kann, braucht es aber vor allem stabile, skalierbare IT-Plattformen zur Verarbeitung und Verteilung der Daten. Sie sind Thema des nächsten Teils unserer Trend-Reihe.

Titelbild: (c) Carlos Castilla/Shutterstock

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