CeBIT 2017: Die Ära der Roboter naht

In naher Zukunft werden wir in einer Roboter-Gesellschaft leben. Davon ist Hiroshi Ishiguro überzeugt. Auf der CeBIT sprach die Robotik-Koryphäe über die Möglichkeiten von Androiden.

Es kommt vor, dass Hiroshi Ishiguro Vorträge hält, obwohl er gar nicht selbst anwesend ist. Stattdessen schickt er einen von ihm selbst entwickelten Androiden: einen Roboter mit menschlichen Zügen, der ihm zum Verwechseln ähnlichsieht. Aus der Ferne steuert er Sprache und Bewegung. Auf die diesjährige CeBIT ist der Wissenschaftler von der Universität Osaka ohne seinen Zwilling gekommen. „Er bereitet oft Probleme bei den Kontrollen am Flughafen“, erklärt Ishiguro.

Auf dem Weg in die „robot society“

Wenn es nach ihm ginge, übernähmen interaktive Roboter schon in drei bis vier Jahren überall in der Gesellschaft zahlreiche Aufgaben. „Sie können bei der Pflege von älteren Menschen unterstützen, beim Lernen von Fremdsprachen oder als Verkäufer in Bekleidungsgeschäften.“ So habe bei einem Test ein androider Schuhverkäufer bereits mehr Exemplare verkauft als der Ladenbesitzer selbst.

Roboter wecken Emotionen

Experimente zeigten auch, dass Menschen durchaus emotional auf Androiden reagieren. So lächelten sie zum Beispiel zurück, wenn ein Android sie anlächelt – ausgelöst über die Gesichtserkennung einer integrierten Kamera. Nur Kinder reagieren bisweilen noch zurückhaltend. Sie stören sich an Gesichtsausdruck und Verhalten. Aber wie lässt sich dieses „Uncanny Valley“ überwinden? Also der Absturz der sogenannten „Sympathiekurve“, in dem Moment bevor ein Roboter einem Menschen zu 100% ähnelt, dann jedoch eher als leblos wahrgenommen wird? Ishiguros Lösung: die Gesichter seiner humanoiden Roboter so neutral wie möglich zu gestalten. „Verschwimmen Geschlecht und Alter, verschwindet oft auch der Gesichtsausdruck, den vor allem Kinder als unheimlich empfinden.“

„Manche Androiden in Japan sind bereits berühmter als das Original.“

Menschen könnten außerdem in Androiden weiterleben und so praktisch unsterblich werden, so die Meinung des Wissenschaftlers. In Japan treten bereits einige Androiden von verstorbenen Schauspielern auf. „Diese sind manchmal berühmter als das Original.“ Auch in Filmen und im Theater haben Androiden schon ihren Auftritt gehabt, zum Beispiel in Stücken des japanischen Bühnenautors Oriza Hirata.

Basis für Diskussionen: Big Data und Geschichten

Zum menschenähnlichen Verhalten gehört auch die Möglichkeit, Gespräche zu führen. Noch verlaufen Diskussionen mit Robotern mehr oder weniger holprig. Doch verfolgt man ein Gespräch zwischen einem Menschen und einem Androiden wird klar, was in naher Zukunft möglich sein wird. Aktuell gibt es zwei Ansätze für menschlicher wirkende Konversationen:

  • Gesprächsinhalte werden mithilfe von Big Data ermittelt und abgerufen. „Dementsprechend sind die Themen unbegrenzt, die Gesprächsmuster verlaufen aber vergleichsweise einfach“, so Ishiguro.
  • Der zweite Ansatz basiert auf Geschichten. Autoren recherchieren Themen vorab, entwickeln Argumente und formulieren Fragen und Antworten. Diese werden den Robotern einprogrammiert. „Die Themenvielfalt ist dann zwar eingeschränkt, jedoch sind damit Konversationen möglich, die sehr viel tiefer gehen können.“

Daneben zeigte Ishiguro auch auf, was Wesen schaffen, die auf nur zwei „menschliche Aspekte“ reduziert sind: einen kissenartigen Korpus sowie eine menschliche Stimme, die beispielsweise über ein Smartphone transportiert wird. „Über ihre eigene positive Vorstellungskraft spürten die Personen die Präsenz des anderen, obwohl er nicht anwesend war“, so Ishiguro.

Androiden sind teuer

Wer jetzt damit liebäugelt, mithilfe eines Androiden zu überleben, muss tief in die Tasche greifen. Mehrere hunderttausend Euro kostet ein solcher unsterblicher Zwilling noch. Doch wenn die Ära der humanoiden Roboter mitten in der Gesellschaft angekommen ist, kann man bestimmt auf ein Sinken des Preises hoffen.

Die Keynote von Hirsohi Ishiguro über „Androids, Robots, Future Life“ finden Sie hier.

Titelfoto: (c) Deutsche Messe

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