CeBIT 2017: Edward Snowden im Live-Interview

Edward Snowden ist das Gesicht der Debatte über Datenschutz und Privatsphäre. Auf der CeBIT 2017 sprach der Ex-Geheimdienst-Mitarbeiter in einer Video-Liveschaltung über den Fortschritt bei Verschlüsselungstechniken und den sicheren Umgang mit dem Internet.

Vor vier Jahren ging Edward Snowden als bekanntester Whistleblower der Welt in die Geschichte ein. Seitdem habe sich in Sachen Sicherheit im Internet zwar einiges getan. Aber es bleibe noch ein langer Weg, sagte er in einer knapp 1,5-stündigen Live-Schalte auf den CeBIT Global Conferences. „Wir leben in einem goldenen Zeitalter von Geheimdiensten und Überwachung“, so Snowden, der noch immer in Russland lebt. Er riet eindringlich, dass Menschen verstehen müssten, welche Technologie und Ideologie hinter dem Datensammeln stecke. Und vor allem: welche Macht das verleihe.

Wie sicher sind wir online?

Snowden machte klar, dass zwar heute viel mehr Webseiten mit HTTPS-Verschlüsselung arbeiteten als noch vor einigen Jahren. Das sei ein großer Fortschritt. Aber er erklärte auch, dass selbst diese keine 100-prozentige Sicherheit vor ungewollten Angriffen böten. Daneben riet er, das Bewusstsein für die Datenspeicherung in einer Cloud zu schärfen. Denn dort abgelegte Daten seien, unter Umständen, nicht vor Zugriffen geschützt. „Wir brauchen hier striktere Gesetze“, sagte der Ex-NSA-Mitarbeiter. Er verglich den heutigen Stand der gängigen Verschlüsselungstechniken mit Nahrungsmitteln, die ohne das Siegel einer Lebensmittelkontrolle verkauft würden – und warnte vor einer möglichen „Epidemie“ als Konsequenz.

Schutz von geistigem Eigentum

„Gerade westliche Welten haben einiges zu verlieren, denn sie haben viel in Forschung, Wissenschaft und Bildung investiert“, erklärte Snowden.

Edward Snowden war auf den CeBIT Global Conferences live zugeschaltet.

Man müsse sich bewusstmachen, was das Abgreifen von Daten wirklich bedeute. „Heute kann man mithilfe von Hacking mächtiger werden als mit Geld“, sagte er und verwies damit auch auf die Debatte um die Einflussnahme durch Hacker auf Wahlkämpfe.

Die Welt hat es in der Hand

Doch der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter gibt sich auch hoffnungsvoll. In den letzten Jahren wurden wichtige, neue Fragen aufgeworfen. Wie kann Technologie dabei helfen, Menschenrechte durchzusetzen? Welche Macht sollen Geheimdienste haben? Welche neuen Gesetze brauchen wir? Er selbst habe keine Macht, um etwas Großes zu verändern. Aber die globale Gemeinschaft habe diese sehr wohl. „Recht allein reicht in der Welt heute nicht aus, man muss auch etwas investieren“, zog Snowden Bilanz. „Ich bin für die Sache, an die ich glaube, aufgestanden. Das ist der Grund, warum ich heute nachts ruhig schlafen kann.“

Titelfoto: (c) Deutsche Messe

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