CeBIT 2017: Über das digitalisierte Dänemark

Nirgends ist der öffentliche Sektor so digitalisiert wie in Dänemark. Auf der CeBIT 2017 sprach Lars Frelle-Petersen, der Generaldirektor der dänischen Digitalisierungsbehörde, über den Weg dortin.

Der demographische Wandel macht Dänemark zwar zu schaffen. Aber vor allem auch eines: erfinderisch. Denn das kleine Land im Norden geht innovativ mit dem damit verbundenen niedrigeren Produktivitätswachstum und der Notwendigkeit, Kosten einzusparen, um. In Sachen eGovernment sind die Dänen ganz vorne mit dabei. Aktuell führen sie sogar den EU-Digital-Index an. Bis heute haben sie nahezu den ganzen öffentlichen Sektor digitalisiert – und sparen damit jährlich knapp 300 Millionen Euro ein. Grundvoraussetzungen für das digitalisierte Dänemark: ein allgemein hohes Vertrauen in den öffentlichen Sektor sowie eine besonders internetaffine Bevölkerung.

eServices und digitales Postfach sind Pflicht

Lars Frelle-Petersen, Generaldirektor der dänischen Digitalisierungsbehörde

Den Anfang machte 2001 zum einen die digitale Signatur für Bürger. Zum anderen die Möglichkeit, Behörden per E-Mail zu kontaktieren. „Schon wenige Zeit später durften die Dänen das nicht nur, sie wollten es auch ausdrücklich“, sagt Lars Frelle-Petersen von der Digitalisierungsbehörde Dänemark. 2011 wurden Bürger und Unternehmen gesetzlich verpflichtet, die eServices zu nutzen. Seitdem ist auch die digitale Post zwischen Bürgern, Unternehmen und dem öffentlichen Sektor obligatorisch.

„Insgesamt wandelten wir 100 Service-Bereiche in digitale ‚Selbstbedienung‘ um“, erklärt der Generaldirektor. Anträge auf Mutterschaftsbeihilfe, die öffentliche Pension oder für einen Platz in einer Kindertagesstätte können zum Beispiel nur noch online gestellt werden, ebenso die Registrierung für die Grundschule.

Herausforderung: Interesse bei jungen Bürgern wecken

Die Basis für die Services: eine sichere Identifizierung sowie Authentifizierung der Benutzer. Rund 4,6 Millionen Bürger nutzen dafür ihre sogenannte „EasyID“. Auf das persönliche digitale Postfach greifen über 4,8 Millionen Dänen (90,1 Prozent) zu. Eine Herausforderung ist, „vor allem die ganz jungen Bürger zwischen 15 und 17 Jahren für die Nutzung der digitalen Dienste und des Postfachs zu begeistern“, sagt Frelle-Petersen.

Denn oftmals fehle ein grundsätzliches Verständnis, was die Behörden für junge Bürger tun. Kooperationen mit Unternehmen und Schulen sollen hier Abhilfe schaffen. Wohingegen sich ältere Menschen, die zuvor wenige bis keine Erfahrung im Umgang mit dem Internet haben, sich in speziellen Trainings gegenseitig helfen: „Rund 200.000 neue Internetuser haben sich selbst fit für das Internet gemacht“, so Frelle-Petersen.

9 von 10 Dänen kommunizieren online mit Behörden.

Digitalisierte Wohlfahrtsdienste

Daneben bietet Dänemark in Zusammenarbeit mit den Kommunen auch im Bereich Wohlfahrt neue digitale Services an. Eine davon: die Dolmetscherlösung für nicht-dänischsprachige Menschen.

Sie ermöglicht es, über das Internet auf Dolmetscher in anderen Städten zurückzugreifen. Auch chronisch Lungenkranke profitieren von neuartigen Services. „Sie können zum Beispiel per ‚Fernüberwachung‘ zu Hause betreut werden“, erklärt Frelle-Petersen. Nach einer regionalen Testphase wird der Service ab 2018 landesweit angeboten.

Der Weg des digitalisierten Dänemark ist noch nicht zu Ende. Nächste Ziele hält die Digitalisierungsstrategie 2016 – 2020 fest.

Titelfoto: (c) Shutterstock/Frank Fischbach
Vortragsfoto: (c) BWI

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