Die Zukunft der Stadt ist digital

Die Digitalisierung bestimmt Wirtschaft und Industrie schon seit geraumer Zeit. Jetzt findet sie langsam, aber sicher auch ihren Weg in den öffentlichen Sektor. Die digitale Stadt bietet ihren Bürgern flexible Services und Unternehmen wirtschaftliche Vorteile – doch in vielen Regionen Deutschlands besteht hier noch Handlungsbedarf.

Eine festgelegte Definition für den Begriff der intelligenten „digitalen Stadt“ existiert bisher nicht. Das Konzept der smarten City umfasst bestimmte Charakteristika, die in unterschiedlichen Projekten immer wieder auftauchen. Der Grundgedanke ist einfach: Die Stadt als Gesamtes wird vernetzt, um den Alltag zu vereinfachen und die Lebensqualität zu steigern. Die aus Kraftwerken, Verkehrssystemen, Umweltsensoren und Fahrzeugen gewonnenen Daten zeigen, wo Prozesse reibungslos laufen – und wo Probleme auftreten. Doch das ist noch nicht alles: Das Netzwerk der smarten Stadt verbindet nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Institutionen und Bürger. Das heißt: Menschen können von überall aus öffentliche Leistungen in Anspruch nehmen. Wartezeiten im Bürgerbüro oder der Gang zum Finanzamt werden damit überflüssig, alle Services lassen sich bequem am PC oder Smartphone nutzen.

Investition in die Zukunft

Doch gerade Deutschland hängt in der Digitalisierung des urbanen Lebens zurück. Während Fertigung und Ingenieurswesen die Industrie 4.0 vorantreiben, sind viele Städte und Kommunen noch stark analog geprägt. Eines der größten Hindernisse ist die mangelhafte Infrastruktur. Der Netzausbau in Deutschland geht nur schleppend voran, gerade in ländlichen Bereichen sind für viele Privatnutzer nur geringe Bandbreiten verfügbar.

Auch die öffentliche Verwaltung steht hier vor Herausforderungen: Die PWC-Studie „Deutschlands Städte werden digital“ zeigt, Online-Services in Deutschland nur sporadisch angeboten werden und kaum verknüpft sind. Etablierte Strukturen und Prozesse müssen zunächst umgestellt und modernisiert werden, um beispielsweise Digitaldiensten den Weg zu ebnen. Dann erst können Bürger online Termine im Amt vereinbaren, Tickets für den öffentlichen Nahverkehr per Smartphone kaufen, ein Gewerbe über das Internet anmelden oder gar ihre Wählerstimme digital abgeben. Informations- und Datensicherheit erhalten dabei einen völlig neuen Stellenwert. Darüber hinaus verlangt das neue System qualifiziertes Personal und umfassende Investitionen in die Infrastruktur. Aufwände, für die bislang schlicht das Geld fehlte.

Carsharing-Angebote für Elektroautos entlasten Stadtverkehr und Umwelt zugleich.

Mehr Digitales, weniger Stress

Dabei verspricht ein durchgängiges E-Government handfeste Vorteile. Länder wie Estland zeigen das anschaulich: Die Bürger können dort auf rund 600 digitale Bürgerdienste zurückgreifen, geben zum Beispiel ihre Steuererklärung elektronisch ab und nehmen per Mausklick an Wahlen teil. Die neuen Prozesse sind schneller und transparenter als ihre analogen Pendants – und machen die Arbeit der Beamten effizienter. Das schließt auch die Arbeit zwischen Behörden und Ämtern ein, die mit nutzerfreundlichen übergreifenden Diensten ihre Kosten und Aufwände minimieren können.

Auch in Sachen Verkehr profitiert der öffentliche Raum von einer flächendeckenden Digitalisierung. Die Verbindung von Daten unterschiedlicher Fahrzeuge ermöglicht die übergreifende Verbesserung des städtischen Verkehrsflusses. Das Resultat: dynamische Routenplanung, weniger Staus, einfache Parkplatzsuche – und damit weniger Stress. Gerade die E-Mobilität bietet hier großes Potenzial zur Entlastung der Städte. In München entstehen zum Beispiel bis 2019 neue Mobilitätsstationen der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die damit die Nutzung des elektrischen Carsharing-Angebots vereinfachen will.

Der Politikverdrossenheit entgegenwirken: Elektronische Wahlbeteiligung macht die Stimmabgabe vom heimischen Computer aus möglich.

Wunsch der Bürger: einfacher und schneller

Mit ähnlichen Maßnahmen kämen Städte und Kommunen den Wünschen ihrer Bürger entgegen. Laut einer Bitkom-Studie gehören Parkplatzmangel, schlechte Straßen und eine überforderte öffentliche Verwaltung zu den größten Stressfaktoren für Menschen im städtischen Raum. Ganze 91 Prozent der Befragten wünschen sich ein dynamisches Parkplatzleitsystem, 83 Prozent würden eine komplette Digitalisierung der Behördengänge befürworten.

Das zeichnet ein klares Bild: Digitale Lösungen haben das Potenzial, alle Bereiche des öffentlichen Lebens schlanker und effizienter zu gestalten und tragen zur Erhöhung der Lebensqualität bei. Die Ergebnisse unterschiedlicher Studien zeigen: Verwaltung und kommunale Entscheidungsträger wie Landräte oder Bürgermeister müssen als Treiber der Digitalisierung agieren. Städte und Kommunen brauchen eine digitale Strategie, müssen eine digitale Kultur schaffen und notwendige Investitionen in die Infrastruktur tätigen.

Diese Aufwände bilden die Grundlage für die wirkliche Entwicklung des digitalen Deutschlands. Die Bürger sind bereit für den digitalen Wandel, werden aber oft von spärlichen oder schwer zugänglichen Angeboten abgeschreckt. Mit einem Fokus auf die Verbesserung von Infrastruktur, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit haben digitale Städte und hat das digitale Deutschland Potenzial für die Zukunft. Und eine Bundestagswahl über das Internet wäre damit im Bereich des Möglichen.

Titelbild: (c) Fotolia/Julien Eichinger
Foto E-Autos: (c) iStock/portgrimes
Illustration Online-Voting: (c) iStock/sorbetto

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