Digitalisierung: Verliert Deutschland den Anschluss?

„Deutschland ist der Regulierungsstreber. Die Zukunft wird woanders gemacht“, mit diesen Worten forderte Professor Klemens Skibicki, Dozent an der Cologne Business School, beim Cologne IT-Summit die Bundesregierung auf, die Hände nicht mehr in den Schoß zu legen. Sondern eine sinnvolle Grundlage für die digitale Transformation in Deutschland und Europa zu schaffen. Zum Abschluss des Kongresses erörterten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion das Thema „Europa 4.0“. Zu welchen Erkenntnissen sie gelangten, erfahren Sie im letzten Teil unserer Serie zum Cologne IT-Summit.
Bildquelle: BWI

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Man müsse das Alte hinterfragen und sich überlegen, welche Neuerungen für Deutschland sinnvoll und notwendig seien. Für Professor Klemens Skibicki von der Cologne Business School hat die Politik mit der EU-Datenschutzverordnung die Chance vertan, eine Basis für die digitale Zukunft Europas zu legen. Die Rechte der Nutzer und der Datenschutz wurden zwar gestärkt, dafür habe man aber in Kauf genommen, die weitere Entwicklung der Analyse von Massendaten – und damit von Big Data – zu unterbinden. Seiner Meinung nach sei eine solche gemeinsame Basis jedoch unabdingbar, um den Anschluss an die Digitalisierung nicht zu verlieren.

Die Digitalisierung ist kein Big Bang

Auch Michael Bröcker, Chefredakteur der Rheinischen Post, fordert die Politik auf, sich zwischen alten und neuen Werten zu entscheiden. Als Beispiel nennt er das Jahr 2014, in dem die Bundesregierung der Mütterrente den Vorzug vor dem Ausbau des Breitbandnetzes gab. Ein Grund für das schlechte Abschneiden Deutschlands in puncto digitaler Wandel? Im europaweiten Vergleich liegt die Bundesrepublik beim Thema Digitalisierung nur auf Platz zehn. „Die Politik folgt immer großen Ereignissen“, versucht Bröcker eine Erklärung.

„Auf Fukushima folgte die Energiewende. Doch die Digitalisierung ist kein Big Bang, sie entwickelt sich langsam.“

– Michael Bröcker, Chefredakteur Rheinische Post

Mehr machen, weniger nachdenken

„Hätte Mark Zuckerberg Facebook in Deutschland gegründet, hätte er nach wenigen Jahren im Gefängnis gesessen“, ist sich Professor Skibicki sicher. „Wie Dynamik aussieht, erleben wir in den USA und in Asien, während wir hierzulande noch überlegen.“ Sein Credo lautet deswegen: Mehr machen, weniger nachdenken. Zudem brauche die Politik authentische Botschafter der Digitalisierung, die andere animierten, voranzugehen. Hier gäbe es jedoch keine visionären Ideen. Und in der Wirtschaft fehlten Persönlichkeiten, die ihre Vorstellungen voranbringen möchten.

Datenschutz lässt neuen Ideen keine Chance

Ein weiteres Beispiel verdeutlicht die fehlende Dynamik in der Bundesrepublik: Während in Berlin pro Tag ein neues Start-up entsteht, sind es in den USA mehr als zehn Mal so viele. „Die starken Regulierungen hierzulande ersticken Ideen bereits im Keim“, sagt Professor Marco Gercke, Direktor des Cybercrime Research Institutes, in seinem Impulsvortrag zum Thema „Rechtliche Herausforderung Digitalisierung am Beispiel von Big Data“. Brauchen wir einen entspannteren Umgang mit Datenschutz, um die Digitalisierung in Deutschland und Europa voranzutreiben?

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