E-Government: Wann kommt das "Amazon der Verwaltung"?

Neue Impulse für das E-Government: Binnen fünf Jahren will Deutschland seine Bürgerdienste digitalisieren und ein „Amazon der Verwaltung“ schaffen. Was hinter dem plakativen Begriff steckt, erklärten die Verantwortlichen auf dem Digitalgipfel 2017 in Ludwigshafen.

Überfüllte Dienststellen, lange Warteschlangen: Der Gang zum Amt ist häufig eine Nervenprobe. Warum schafft der öffentliche Dienst nicht, was für Unternehmen schon seit Jahren der Standard ist – schnelle, einfache, digitale Services? Die Politik hat den Handlungsbedarf erkannt. BMI-Staatssekretär Hans-Georg Engelke gibt sich selbstkritisch: „Deutschland spielt im E-Government bestenfalls im Mittelfeld“, sagte er beim Digitalgipfel der Bundesregierung. Aber das werde sich ändern.

Digitalisierung von Unternehmen lernen

Wie der Wandel gelingen soll, erklärte Caren Marks, Staatssekretärin im Familienministerium. Unter dem Schlagwort „Amazon der Verwaltung“ wird in den nächsten fünf Jahren eine zentrale Plattform für Bürgerdienste entstehen. Was Amazon an die Spitze gebracht hat, soll jetzt den öffentlichen Dienst revolutionieren: anwenderfreundliche, 24/7 verfügbare, personalisierte Services.

 

Das Onlineportal soll die deutschlandweiten Bürgerdienste zentral bündeln.

Das Onlineportal soll die deutschlandweiten Bürgerdienste zentral bündeln.

E-Government definiert Bürgerdienste neu

Das neue Bürgerportal soll die Verwaltungsportale und -leistungen aller Behörden in Bund, Ländern und Kommunen verknüpfen und damit als zentrale Anlaufstelle für Antragssteller dienen. Mit wenigen Klicks ist die zuständige Stelle erreicht – die aufwendige Suche auf verschiedenen Websites entfällt.

Bürgerinnen und Bürger loggen sich über ein persönliches Nutzerkonto ein, erhalten relevante Angebote, stellen Anträge mit elektronischen Formularen, checken den Status laufender Anträge oder kontaktieren den richtigen Ansprechpartner. Kurz gesagt: Es entsteht eine zeitgemäße Plattform.

„ElterngeldDigital“ als Beispiel für E-Government

Das Pilotprojekt ElterngeldDigital soll vormachen, wie es geht. Bis jetzt kann man per Onlinerechner den eigenen Anspruch ermitteln, muss den Antrag selbst aber in der Elterngeldstelle ausfüllen und abgeben. Künftig soll der gesamte Prozess digital stattfinden. Eltern errechnen ihren Anspruch, füllen den Antrag aus, laden die erforderlichen Unterlagen hoch und schicken alles elektronisch ans Amt. Das spart nicht nur Zeit, sondern vereinfacht auch die Verwaltungsprozesse deutlich.

„Wir kommen damit unserem Ziel, Bürgerinnen und Bürger praxisnah, unkompliziert und zielgruppenorientiert über die spezifischen familienpolitischen Leistungen zu informieren und Eltern den Zugang zu diesen Leistungen spürbar zu erleichtern, einen großen Schritt näher.“

– Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Geplanter Quantensprung

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte in ihrer Keynote die Bedeutung der Weiterentwicklung des E-Governments: „Eine Reise nach Estland, Finnland oder Dänemark zeigt, dass andere hier weiter sind.“ Allerdings stünde der öffentlichen Verwaltung in Deutschland mit dem Bürgerportal in den nächsten vier bis fünf Jahren ein „Quantensprung“ bevor.

Die Digitalisierung der Verwaltung war auch zentrales Thema beim Zukunftskongress Staat & Verwaltung am 20. und 21. Juni in Berlin. Innenminister Thomas de Maizière hält hierfür vor allem einen Mentalitätswechsel für notwendig.

Titelfoto: (c) BWI
Foto Onlineportal: (c) BMWi
Foto Caren Marks: (c) Bundesregierung/Kugler

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