Fördert IT-Konsolidierung die Innovation in den Verwaltungen?

Spareffekte dürfen nie der alleinige Antrieb für IT-Konsolidierung sein, so das einstimmige Meinungsbild zur 19. Kongressmesse „Effizienter Staat“ in Berlin. Wie Innovation und der operative Betrieb komplexer IT-Infrastrukturen zusammengehen, diskutierten Experten des Informationstechnikzentrums Bund (ITZBund), der DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH (DVZ M-V) und dem österreichischen Bundesrechenzentrum (BRZ). Lesen Sie den ersten Teil unseres zweiteiligen Berichts über den Verwaltungskongress der D-A-CH-Region.

Politik und Verwaltungen dürfen der Digitalisierung nicht hinterherhinken und sollten sich frei machen für Innovationsprojekte. Der Schlüssel sind konsolidierte IT-Landschaften. IT-Dienstleister stehen dabei vor der Herausforderung, die Konsolidierung sowohl infrastrukturell, wie auch durch die Weiterentwicklung von Prozessen und Anwendungen voranzutreiben. Inwieweit lässt sich auf diese Weise die Innovationsfähigkeit im öffentlichen Dienst fördern? Welche Erfolgsfaktoren stehen dahinter? Und welche Rolle spielt die Rechtsform eines IT-Dienstleisters dafür? Diese zentralen Fragen wurden auf dem Podium diskutiert.

(Bildquelle: BWI)

Bildquelle: BWI

Spagat zwischen Kontrolle und Flexibilität

Die Bundesverwaltung hat mit der Gründung des ITZBund als Behörde im Geschäftsbereich des Bundesfinanzministeriums einen wichtigen Schritt getan, um die digitale Verwaltung zu zentralisieren. Der Maßnahmenbeschluss sah einen klar definierten Auftrag mit Zeit- und Qualitätszielen vor – für Horst Flätgen, Unterbereichsleiter im Bundesfinanzministerium, ein wichtiges Fundament für die Wirtschaftlichkeit der IT-Konsolidierung. „Zudem wollten wir keine Türschildlösung, sondern eine innere Fusion aus drei Dienstleistern“, so Horst Flätgen. „Die Ministerien haben sich an der inneren Ausgestaltung des ITZBunds herausgehalten. Fachleute der drei Dienstleister haben Organisations- und Prozessverfahren auf den Weg gebracht. Was unsere Innovationsfähigkeit anbelangt, so werden wir wohl immer den Spagat zwischen Kontrolle und Flexibilität leisten müssen“, bemerkt er zur Eingliederung des IT-Dienstleisters ins Bundesfinanzministerium. In erster Linie gehe es erst einmal darum, als wirtschaftlich funktionierende Organisation die Gründungphase abzuschließen. Eine Vorausschau: Ab 2017 sollen Verwaltungen einen einfachen Zugang zu Cloud-Dienstleistungen erhalten. Auch die E-Akte soll künftig als Cloud-Lösung verfügbar sein.

Dienstleister als Trusted Advisor für die Digitalisierung

In Österreich wurde das Bundesrechenzentrum bereits 1997 aus dem IT-Bereich des Bundesrechenamtes als GmbH ausgegliedert – mit dem Ziel, die IT neu zu strukturieren und damit die Verwaltung zu modernisieren. Roland Jabkowski, ehemaliger Geschäftsführer des BRZ, betont: „IT-Prozesse standardisieren, bündeln, automatisieren – seit 2008 hat das BRZ rund 200 Millionen Euro IT-Kosten durch Konsolidierung eingespart. Und die Synergieeffekte sind noch nicht ausgeschöpft.“ Eine große Herausforderung sei es, keine punktuelle Konsolidierung, sondern eine stringente IT-Steuerung zu etablieren.“ Erfolgsfaktoren dafür: eine klare Zielsetzung und deutlich definierte Allokationsstrukturen für Infrastruktur, Budget, Zeit und Aufwand. Weil Verwaltungen heute weit mehr als nur operative IT-Services wollen, müssen sich IT-Dienstleister laut Jabkowski „vom Shared Service Center hin zum Trusted Advisor für die digitale Transformation entwickeln“.

Innovationsfähigkeit fängt in den Verwaltungen an

Ein Blick zurück nach Deutschland: In Mecklenburg-Vorpommern gelingt die IT-Konsolidierung auf Landesebene seit Jahren. Ob flächendeckendes Internet, IP-Telefonie oder Büros mit Telearbeitsplätzen – der Digitalisierungsgrad in der öffentlichen Verwaltung ist hoch. Hubert Ludwig, Geschäftsführer der DVZ M-V, schätzt vor allem die Stabilität, die durch die große Koalition gegeben ist, um die IT-Konsolidierung kontinuierlich umzusetzen und innovative Konzepte langfristig anzugehen. Nicht unerheblich ist für ihn dabei die Rolle der öffentlichen Hand: „Eine vorausschauende Verwaltung ist das A und O, um Innovationsprozesse überhaupt erst zu etablieren und weiterzuentwickeln. Dann können wir als Dienstleister passende IT-Konzepte vorstellen und später über Rahmenverträge umsetzen.“ Ludwig sieht die DVZ M-V als zweckgebundenes Tochterunternehmen der Verwaltung, das unabhängig von Kabinettbeschlüssen agiert und den öffentlichen Dienst künftig stärker bei Fachapplikationen unterstützen wird.

Vorreiter: Bundeswehr und BWI

Dass IT-Konsolidierung in großem Maßstab funktionieren und den Weg für Innovationen bereiten kann, haben die BWI und die Bundeswehr bewiesen. Im Projekt HERKULES hatte das Unternehmen von 2006 bis 2012 die gesamte nicht-militärische Informations- und Kommunikationstechnik der Bundeswehr zentralisiert, standardisiert und modernisiert. Entstanden ist modernes IT-System für die Bundeswehr Unter anderem wurde eine zentraler User Help Desk eingerichtet, 140.000 PC und 300.000 Telefone erneuert, ein bundesweites Weitverkehrsnetz mit mehr 12.000 Kilometern Datenkabel aufgebaut und die Rechenzentren der Bundeswehr konsolidiert und modernisiert. Seit Mitte 2012 befindet sich das Projekt im sogenannten Zielbetrieb: Die BWI betreibt die IT-Infrastruktur und hält sie auf einem aktuellen Stand. Ende 2016 endet die öffentliche-private Partnerschaft zwischen der Bundeswehr, der Siemens AG und IBM Deutschland und die BWI wird zu einer 100-prozentigen Bundesgesellschaft.

Titelfoto: (c) optimarc/Shutterstock

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