Für die BWI im NATO-Einsatz

Uniformen, Orden und Abzeichen, soweit das Auge reicht. Das fällt zuerst auf, wenn man das NATO-Hauptquartier in Brüssel betritt. Hier im Eingangsbereich herrscht ein geschäftiges Durcheinander. Militärs und Politiker schütteln Hände, suchen Konferenzräume, gehen ihrem Tagesgeschäft nach. Mitten im Trubel stehen zwei Anfang Zwanzigjährige in Anzug und Krawatte: Tobias Hoepfl und Felix van Stephoudt sind die ersten BWI-ler im „Auslandseinsatz“ bei der NATO.

Ihr Büro ist schwer zu finden in dem weitläufigen Komplex in Brüssel. In diesem Irrgarten aus weißen Fluren lässt nur eine kleine Plakette erkennen, dass hier der Deutsche Militärische Vertreter (DMV) zu finden ist. „Die Architektur hat ein bisschen 60-er-Jahre-Charme“, lachen Tobias Hoepfl und Felix van Stephoudt. Die beiden Bachelorstudenten absolvieren gerade ihr Praktikum im Dezernat 4 beim DMV, das sich um Cyber- und Informationsraum kümmert.

Zwischen Präsenzstudium und Projektgeschäft

Aber wie kam es überhaupt dazu? Auf der Suche nach einem Studienplatz stießen Hoepfl und van Stephoudt 2014 auf das Karriereportal von Siemens. Und dort auf den Studiengang „International Management with Engineering“. Das klang spannend, ließe sich darin doch ein Bachelorabschluss in einem zukunftsorientierten Feld erwerben und parallel praktische Erfahrungen sammeln.

Das Modell dahinter funktioniert so: Siemens Professional Education (SPE) arbeitet deutschlandweit mit Bildungseinrichtungen zusammen, um Angehörige von Siemens und seinen Partnerunternehmen weiterzubilden. Einer dieser Partner ist die BWI. „Wir konnten an der Fachhochschule Südwestfalen studieren und gleichzeitig bei der BWI in München und Rheinbach praktische Erfahrungen sammeln“, sagt Höpfl. Van Stephoudt ergänzt: „Bei einem IT-Dienstleister einsteigen, das hörte sich prima an. Die Branche ist ständig in Bewegung, die Arbeit abwechslungsreich.“

„Wir laufen täglich hochrangigen Militärangehörigen und Politikern über den Weg.“

Die Ausbildung der Jung-BWI-ler ähnelt einem dualen Studium – mit einem Unterschied: Während sich bei vielen anderen Unternehmen im dualen Studium Hochschule und Betrieb im Dreimonatstakt abwechseln , sind Hoepfl und van Stephoudt stärker im Projektgeschäft der BWI eingebunden. „Wir nehmen regelmäßig an Workshops und Schulungen der SPE in Paderborn teil, die uns innerhalb von zwei Wochen vermitteln sollen, was unsere Kommilitonen in einem Semester lernen“, führt van Stephoudt aus. „Klar, so ein Crashkurs ist anstrengender, aber wir haben einen entscheidenden Vorteil. Wir sammeln viel mehr Praxiserfahrung als unsere Kommilitonen.“

Felix van Stephoudt (l.) und Tobias Hoepfl in ihrem Büro in Brüssel.

Unter Generälen und Ministern

Ein zwölfwöchiges Praktikum im nicht-deutschsprachigen Ausland ist Bestandteil des Studiengangs. Dass es die beiden Studenten aber in das Hauptquartier der NATO verschlägt, war fast schon ein Zufall. „Aus unserer Abteilung bei der BWI bekamen wir den entscheidenden Tipp: Ein Kollege hier im Unternehmen pflegte wegen seiner vorherigen Beschäftigung noch aktiv Kontakte bei der NATO. Also haben wir ihn einfach angesprochen“, sagt Hoepfl. Der Rest ging dann fast wie von selbst – und nach einer Anfrage beim Dezernat 4 des DMV und einem Vorstellungsgespräch in Brüssel war den Beiden die Praktikumsstelle sicher. „Das war schon ein kleiner Glücksgriff“, wirft van Stephoudt ein. „Wir sind natürlich sehr froh, dass das Dezernat uns diese Möglichkeit gegeben hat. Die Arbeit ist interessant und es gibt hier im NATO-Kosmos vieles zu entdecken.“ Hoepfl: „Wir laufen hier beispielsweise täglich hochrangigen Militärangehörigen und Politikern über den Weg. Wenn man an einem Mittwoch vor dem Treffen der Verteidigungsminister in der Conference Area steht, kann man schon mal Ursula von der Leyen grüßen.“

Neue Aufgaben und Erfahrungen

Die Tätigkeit im Dezernat 4 ermöglicht es Hoepfl und van Stephoudt, Erfahrungen ein wenig abseits vom normalen Projektgeschäft zu sammeln. In Brüssel fokussieren sich beide eher auf Consulting- und Analyseaufgaben. Van Stephoudt: „Wir beobachten den Betrieb des IT Service Providers hier im Dezernat, untersuchen ihn auf Wirtschaftlichkeit nach ITIL-Standards – und halten natürlich ein wenig Ausschau, ob die BWI hier einige Services für die Auslandsdienststelle übernehmen könnte.“ Zusätzlich durchleuchten die Auszubildenden das interne Informationsmanagement, die Systemstruktur der DMV-Dezernate und beraten sogar im Tagesgeschehen. „Zumindest im Rahmen unseres Wissens. Wir sind ja noch keine Experten“, sagt Hoepfl.

Hoepfl (l.) und van Stephoudt vor dem NATO-Hauptquartier in Brüssel.

Von der BWI nach Belgien

Zu Beginn des Praktikums stand aber erst einmal ein Fettnäpfchen. „Mein erster Tag hier bei der NATO war etwas chaotisch“, gibt van Stephoudt zu. „Ich hatte Bus und Bahn vertauscht, stand dann also eine Stunde zu spät an der Wache – ohne Zugangsberechtigung.“ Heute kann der 23-Jährige darüber lachen. „An dem Tag wusste keiner, wer ich überhaupt bin oder wer für mich zuständig war.“ Beide fanden sich jedoch schnell im Dezernat zurecht – und erhielten direkte Einblicke in das Innere der internationalen Organisation. „Wir haben unterschiedliche Arbeitsgruppensitzungen begleitet, in denen die Vertreter der einzelnen Nationen sitzen – und konnten sogar einer Sitzung des Nordatlantikrats beiwohnen, dem höchsten Gremium der NATO“, sagt van Stephoudt. „Das war äußerst beeindruckend. Und das Gleiche gilt für den Feierabend. Neben dem Tagesgeschäft gibt es auch diverse Events, die von den unterschiedlichen Nationen abgehalten werden – die Bodenseeparty oder auch die Nordic Reception zum Beispiel. Es kann durchaus Spaß machen, internationale Beziehungen zu pflegen!“

Kurz vor Weihnachten 2016 neigen sich die drei Monate in Belgien für Hoepfl und van Stephoudt dem Ende zu. „Das war eine einmalige, tolle Möglichkeit“, bekräftigt Hoepfl. „Wahrscheinlich sogar einzigartig. Zumindest bislang sind wir wohl die einzigen BWI-ler, die ein Praktikum in einer solchen Institution absolviert haben.“ „Wir mussten zwar ein bisschen mit Vitamin B nachhelfen“, ergänzt van Stephoudt schmunzelnd, „aber es hat sich definitiv gelohnt. Die Arbeit bei der NATO ist relativ nahe an unserem Tagesgeschäft bei der BWI – und deswegen konnten wir viel aus der Zeit in Brüssel mitnehmen.“

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