Predictive Policing: Software soll Straftaten vorhersagen

Im Science-Fiction-Thriller „Minority Report“ haben hellseherische Wesen die Fähigkeit, Verbrechen vorherzusagen. Neue Polizeisoftware erinnert genau daran: Auf Basis umfassender Daten berechnet sie, wo Diebesbanden wahrscheinlich als nächstes einsteigen werden.

Die Tür aufgehebelt, Hab und Gut durchwühlt, Geld und Handy weg: Nach einem Einbruch sitzt der Schock bei Geschädigten meist tief. Mithilfe von Predictive Policing sollen unter anderem solche Verbrechen in Zukunft vermieden werden. Ein Werkzeug der „Vorausschauenden Polizeiarbeit“ ist eine Software, die mittels Algorithmen Wahrscheinlichkeiten berechnet. Zum Beispiel, wo der nächste Einbruch stattfinden wird.

Auf der Suche nach Mustern

Basis für die Berechnung sind statistische Daten, die von vorangegangenen Einbrüchen vorliegen. Statt mithilfe von Nadeln auf physischen Karten Risikogebiete abzustecken, übernimmt das der Computer und spuckt eine Prognose aus. Dem zugrunde liegt Data Mining, eine Methode, die in großen Datenmengen nach bestimmten Mustern sucht. Prinzipiell könnten diese auch Menschen entdecken. Nur dauert das eben viel länger. Wird ein solches Muster erkannt, schlägt die Software an. Wie und ob es dann weitergeht, entscheidet ein Polizist. Das primäre Ziel ist dabei nicht, die Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen, sondern vorbeugende polizeiliche Maßnahmen einzuleiten, wie erhöhte Polizeipräsenz durch mehr Streifenwagen in den berechneten Gebieten.

Nur Vergehen von Serientätern können berechnet werden. Keine Gelegenheitstäter oder Beschaffungskriminalität.

„Near repeats“

Das funktioniert aber nur, wenn die Täter professionelle Serientäter sind, die bei Einbrüchen mehr oder weniger überlegt vorgehen und nicht im Affekt oder zufällig handeln. Auf ein professionelles Vorgehen weist die Einbruchsweise, Stadtteil, Tatzeit und das erbeutete Diebesgut hin. Die kriminologische These „Near repeats“ besagt, dass solche Täter nach einem erfolgreichen Einbruch zu großer Wahrscheinlichkeit zur etwa gleichen Uhrzeit an den Ort zurückkehren und in der Nachbarschaft einbrechen. Kurz gesagt: Die Polizisten profitieren davon, dass das Verhalten der Täter berechenbar ist.

Bundesländer testen Software

In Deutschland testen aktuell mehrere Bundesländer verschiedene Software. Auch der Name eines Programms erinnert an den Film von Steven Spielberg: „Precogs“ heißen die hellseherischen Wesen. Bereits seit 2014 setzt Bayern auf „Precobs“ (Pre Crime Observation System), um kriminelle Taten vorherzusagen. In die Datenbanken werden Infos zu Ort, Zeit, Einbruchsart und Diebesgut eingepflegt, keine personenbezogenen Daten.

Landeskriminalämter verzeichnen nach eigenen Angaben Erfolge. Tatsächlich ist die Messung jedoch schwierig, weil es sich bei den Maßnahmen um präventive Schritte handelt. Bleibt die Tat aus – hängt das wirklich mit dem von der Polizei eingeleiteten Vorgehen zusammen? Oder haben die Täter beispielsweise einfach nur einen anderen Stadtteil ins Visier genommen?

In „Minority Report“ kommt es schließlich zur Verhaftung von Unschuldigen, weil die Hellseher manipuliert werden. Davon ist Predictive Policing weit entfernt. Doch eine besondere Bedeutung kommt der IT-Sicherheit zu: Damit der Diebeszug nicht erst beginnt, wenn die Polizeicomputer gehackt – und die meisten Streifenwagen sich in einem anderen Stadtteil als die Täter aufhalten.

Titelfoto: © sdecoret/shutterstock

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